Kein Allheilmittel gegen Ärztemangel auf dem Land

Rückgang der hausärztlichen Praxen

 „Was ich in den Krankenhäusern sehe und erlebe, macht mich nicht nur traurig, sondern krank.“ Hilde Doliganski nahm am Montagabend kein Blatt vor den Mund. Die Gründerin und Leiterin der Selbsthilfegruppe Leukämie und Lymphomen Münsterland Süd beschrieb schlechte Arbeitsbedingungen, mangelnde Personalausstattung und Einsparungen auf Kosten der Patienten. „Wenn das so weiter geht, kann sich die Verwaltung bald selbst verwalten“, kritisierte sie die Träger der Einrichtungen.

„Die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum“– zu diesem Thema hatte der CDU-Kreisverband Warendorf zu einer Podiumsdiskussion eingeladen und dafür kompetente Referenten gewinnen können. Unter der Moderation des CDU-Bundestagsabgeordneten Reinhold Sendker bezogen sie Stellung. Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Bundestag, Jens Spahn, machte deutlich, dass es kein Allheilmittel gibt, um dem Ärztemangel auf dem Land entgegenzuwirken. „Wir müssen neue Anreize schaffen und Rahmenbedingungen verbessern“, forderte er und warb für den Zugang von Pflegekräften und Rettungssanitätern zu einem medizinischen Studium. Angesichts eines deutlichen Rückgangs der hausärztlichen Praxen müsse auch der Stellenwert der Ärzte hinterfragt werden.

Für die kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe erklärte Vorsitzender Dr. Wolfgang Axel Dreyden, dass der Kreis mit einer Hausärzte-Dichte von 118,5 sehr gut dastehe. Probleme sieht er in der Nachfolgeregelung, denn fast 70 Prozent der Hausärzte seien 50 Jahre und älter. „Wir werden künftig nicht mehr direkt an jeder Kirche einen Doktor haben“, kündigte er an. Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender der AOK Nord-West will mit Modellen wie Teilzeitpraxen und Fahrdiensten dem Ärztemangel entgegenwirken. Dr. Rolf Thelen, seit 24 Jahren Hausarzt in Freckenhorst, schilderte die Rahmenbedingungen, die sich nicht zuletzt durch den hohen Verwaltungsaufwand in den Praxen verschlechtert haben: „Die jungen Ärzte wollen lieber im Angestelltenverhältnis in einer Klinik arbeiten als auf dem Lande selbstständig sein.“ In Schulpraktika möchte er jungen Menschen das Schöne am Arztberuf vermitteln. „Wenn ich für meine Praxis keinen Nachfolger finde, ist meine Altersversorgung ein Stück weit in Frage gestellt“, machte er deutlich.