Europa steht am Scheideweg: Sendker zur Stabilität des Euro

Kreis Warendorf - Reinhold Sendker ist seit September 2009 im Deutschen Bundestag und derzeit der einzige Abgeordnete aus dem Kreis Warendorf. Sendker, der zuvor neun Jahre im Landtag war, ist auch Vorsitzender der CDU im Kreis Warendorf. Mit ihm sprach Redakteurin Beate Kopmann
Foto:WNFoto:WN

Herr Sendker, Sie sind seit zwei Jahren im Bundestag. Eine Zeit, in der sich die schwarz-gelbe Bundesregierung von einer Krise zur nächsten hangelte. Die Wunschkoalition machte vor allem durch Zwist von sich reden. Worüber haben Sie sich am meisten geärgert?

Sendker: Enttäuscht hat mich das Abstimmungsergebnis über PID (Präimplantationsdiagnostik). Ich habe mich immer für den Schutz des Lebens eingesetzt. Genau den sehe ich jetzt gefährdet.

 

Die Frage bezog sich eigentlich auf den Ärger mit dem Koalitionspartner.

 

Sendker: Wir haben die Regierungserfolge einfach zu schlecht verkauft. Die Bürger fühlten sich nicht mitgenommen. Gleichzeitig steht diese Regierung vor Herkulesaufgaben, wie es sie in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie gegeben hat, abgesehen von der unmittelbaren Nachkriegszeit. Denken Sie an die Energiewende oder an die Euro-Stabilisierung.

 

Bleiben wir beim Euro. Eine Rettungsaktion folgt auf die andere. Im September entscheidet der Bundestag über die Ausweitung des Rettungsschirmes. Werden Sie dafür stimmen?

 

Sendker: Ja, ich werde für die Ausweitung des Rettungsschirmes stimmen - allerdings mit Bauchschmerzen. Ich sehe in dieser Phase keine echte Alternative dazu, wenn wir das europäische Projekt nicht gefährden wollen. Aber die Euro-Bonds lehne ich ab. Das würde nur anderen Ländern Mut machen, Schulden anzuhäufen. Wir brauchen dagegen überall strengere Schuldenobergrenzen. Europa steht am Scheideweg. Es geht um die Frage, ob wir mehr Gemeinschaftshaftung wollen, um die europäische Idee zu retten oder stärkere ordnungspolitische Regelungen - beispielsweise einen Ausschluss stark überschuldeter Länder.

 

Alle reden vom Euro, die „europäische Idee“ ist dabei selten Thema. Was meinen Sie damit?

 

Sendker: Zuerst geht es um Friede und Freiheit in Europa, aber in zweiter Linie müssen wir den Wirtschaftsraum Europa stärken. Dass wir diese Vertrauenskrise in der Finanzwirtschaft haben, liegt ja nicht nur an Griechenland, sondern sehr viel stärker an den Verhältnissen in den USA. Die Amerikaner stecken viel tiefer in der Krise als wir. Deutschland ist eine echte Wachstumslokomotive. Wir sind bei drei Prozent Wachstum - im letzten Jahr waren es sogar 3,6 Prozent. Das ist ein herausragender Erfolg. Auch den haben wir zu wenig erklärt. Und den Bürger interessiert im Moment vor allem die Frage: Was macht ihr mit unserem Geld?