„Für den Dialog sind Basisinfos nötig“

Warum die CDU Vorhelm zur Islam-Diskussion einlädt

Zum ersten Mal beschäftigt sich eine Partei in Vorhelm mit dem Thema „Islam“. Wie bereits angekündigt, findet am Mittwoch, 29. Februar, um 20 Uhr eine öffentliche Vortrags- und Diskussionsveranstaltung in der Gaststätte Pelmke statt. Initiatorin ist die CDU-Ortsunion Vorhelm. „AZ“-Redakteur Christian Wolff hat sich mit dem Vorsitzenden Peter Lehmann über die Intention dieser Veranstaltung unterhalten
Peter Lehmann, Vorsitzender der CDU Vorhelm. Foto: Klaus OttenbergPeter Lehmann, Vorsitzender der CDU Vorhelm. Foto: Klaus Ottenberg

Herr Lehmann, es ist ja nicht gerade alltäglich, dass sich eine christliche Partei mit dem Islam befasst. Wie kamen Sie darauf?

 

Lehmann: Gerade deswegen. Mit dem Christentum kennen wir uns in Vorhelm bestens aus – mit dem Islam eben nicht. Wir wollen auch mal neue Wege beschreiten und neue Perspektiven eröffnen. Zugleich ist der Abend eine Fortsetzung unserer Themenreihe „Religion“ der CDU-Ortsunion, die mit einer Kirchturmbesichtigung am 30. Oktober ihren Auftakt hatte.

 

Welches Ziel soll die Diskussionsveranstaltung verfolgen?

 

Lehmann: Religionen können Menschen eine Sinnorientierung geben. Mit der Veranstaltung wollen wir Basisinfos zum Selbstverständnis von Muslimen vermitteln. Es sind oft Informationsdefizite über den jeweiligen Glauben bei Christen wie Muslimen vorhanden. Für gegenseitigen Dialog sind Informationen darüber nötig, wie im Koran zentrale Gestalten des Christentums gesehen werden – vor allem Jesus und Maria. 

 

Worum wird es inhaltlich gehen?

 

Lehmann: Zunächst geht es um einen historischen Abriss, der die heutige Situation nachvollziehbar macht. Wir begegnen zum einen dem Arabien um 700 nach Christus mit seinen weltverändernden Ereignissen um die Person des Propheten Muhammad, der sich dazu berufen fühlte, den Arabern den Glauben an den einen Gott zu bringen. Zum anderen erfahren wir einiges über die grundlegenden Glaubenssätze und Glaubenspraktiken dieser Weltreligion, die auch heute für viele Muslime von essenzieller Bedeutung sind.

 

Als Expertin haben Sie Susanne Mandelkow eingeladen. Warum?

 

Lehmann: Susanne Mandelkow ist Islamwissenschaftlerin und Religionswissenschaftlerin. Sie studierte an der Universität in Münster von 1981 bis 1989, schloss mit dem Magister ab und arbeitete danach als freie Dozentin am Seminar für Arabistik und am Seminar für Religionswissenschaften. Wie wir in unserer Einladung schon beschrieben haben, hielt sie zahlreiche Vorträge zu islamwissenschaftlichen Themen in kirchlichen und politischen Bildungseinrichtungen. Und mittlerweile blickt sie auf eine über 20-jährige Vortragstätigkeit zurück. Neben dem Thema Frau in den Religionen beschäftigt sie sich mit dem Verständnis von Integration und Einwanderung und der damit verbundenen Politik in Deutschland.

 

Wie schätzen Sie das Interesse in einer eher ländlich geprägten Gemeinde ein, die sonst eher wenig mit anderen Religionen in Kontakt kommt? 

 

Lehmann: Auch in Vorhelm darf man sich der Realität nicht verschließen. In Deutschland haben mehr als 16 Millionen Personen einen Migrationshintergrund – davon rund vier Millionen Muslime. Ziel unserer Politik ist die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen an dem gesellschaftlichen Leben. Wir wollen alle Menschen erreichen und das Wissen vermitteln, was der Islam für Muslime bedeutet. Religion und Integration sind eben nicht zu trennen. 

 

Wie soll die Themenreihe „Religion“ weitergehen?

 

Lehmann: Geplant sind Gespräche mit der evangelischen und der katholischen Kirche im Jahr 2012/13. Aber genaue Termine stehen noch nicht fest. Wir freuen uns jetzt erst einmal auf den Vortrags- und Diskussionsabend.