Lokale Wirtschaft profitiert von veränderten Spielregeln
„Wir müssen uns daran gewöhnen, dass sich die Spielregeln der Globalisierung ändern.“ Mit pointierten Aussagen hat der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx beim sechsten Ahlener Mit-Tag der CDU-Mittelstandsvereinigung einen Blick in die Zukunft gewagt. Und überraschte dabei am Mittwochabend in der Lohnhalle der ehemaligen Zeche Westfalen mit so mancher positiven Prognose. „Die Welt wird gleicher“, versuchte der Zukunftsforscher das zahlreich erschienene Publikum aus der Reserve zu locken. Länder wie Brasilien und Vietnam seien bereits jetzt die Gewinner beim Jahreseinkommen. „Es gibt langsam immer weniger Arme“, sagte Horx, der das Zukunftsinstitut gegründet hat.
In seinem Vortrag „Die Macht der Megatrends“ nahm Horx die Veränderungsprozesse in der Welt unter die Lupe. „Megatrends sind Veränderungen, auf die man sich verlassen kann“, ordnete Horx ein. Diese seien robust, hielten lange an und passierten vor allem äußerst langsam. Als Beispiel nannte er die positiven Auswirkungen der gestiegenen Rolle der Frau auf die Wirtschaftskraft.
Grundlage für die Prognosen sind unzählige Daten. „Wir können ein unglaublich großes Netz von Sensoren über die Welt legen“, erläuterte Horx die Möglichkeiten der Kombination aus Computern und Statistiken. Als Beispiel zeigte er eine Karte Spaniens, auf der im Zeitraffer sämtliche Bank-Überweisungen der spanischen Bevölkerung sichtbar wurden. Wenn diese Überweisungen nicht mehr im normalen Ausmaß stattfänden, könne man eine Finanzkrise treffend vorhersagen, erklärte Horx. Es gebe nur ein Problem: Werden diese Erkenntnisse veröffentlicht, vergrößere man das Problem.
Zitate
Mit pointierten Aussagen und Wortwitz wagte der Trendforscher Matthias Horx nicht nur einen Blick in die Zukunft, sondern unterhielt auch das Publikum. Hier die besten Zitate:
„Ohne eine Apokalypse-Talkshow gehen wir nicht ins Bett. Der Deutsche fühlt sich erst wohl, wenn es so richtig runter geht.“
„Wir reden immer davon, dass sich die Welt wahnsinnig schnell verändert. Dabei haben unsere Großeltern viel mehr erlebt als wir.“
„Mit 35 Jahren geht es dem Menschen am schlechtesten.“
Matthias Horx, Trend- und Zukunftsforscher, über die Selbst-Wahrnehmung der Menschen und die Schwachpunkte von Statistiken
„Das, war wir die strategische Prognostik nennen, hat die Aufgabe, Sie als Publikum zu verunsichern. Weil ich Ihnen nicht das erzählen möchte, was Sie eh schon wissen. Wenn ich Ihnen erzählen würde, was Sie von der Zukunft erwarten, wäre es ein ziemlich langweiliger Vortrag.“
„Ich möchte Sie an den Punkten überraschen, wie Ihre Zukunftsvorstellungen ein Stück weit falsch sind. Und wenn ich das heute Abend nicht schaffe, habe ich keinen guten Job gemacht.“
Matthias Horx über die Erwartung an seinen Vortrag
„Die Welt funktioniert nicht gradlinig in einer Linie, sondern sie verändert sich in Schleifen.
„Krisen haben die Aufgabe, etwas Neues herzustellen.“
„Wenn Europa in die Krise gerät, machen wir uns alle in die Hose. In Wirklichkeit heißt das, dass wir Europa weiterentwickeln müssen.“
Matthias Horx über Krisen und ihre Chancen
Auch das Thema Globalisierung sei ein Megatrend. Dabei prophezeite Horx eine Stärkung des Handwerks und der Industrie vor Ort. „Es werden neue regionale Kreisläufe entstehen“, sagte der Trendforscher. Der Grund hierfür seien veränderte Rahmenbedingungen: Europa und die Vereinigten Staaten hätten nicht mehr das Privileg auf Wohlstand und könnten nicht mehr ärmere Regionen ausnutzen. „Die Karten werden gerade neu gemischt“, erklärte Horx mit diesem Trend auch den Anstieg des Ölpreises. Auf diese Weise entstehe eine gerechtere Weltordnung, weil man gemeinsam ein neues Weltsystem für Mobilität schaffen müsse.