Zwischen Emotionen und nüchternem Zahlenwerk
Ahlen - Entscheidungen, die aus dem Bauch heraus getroffen werden, helfen nicht aus der Finanzmisere. Diese Warnung – verkürzt ausgesprochen – kam am Mittwochabend von Bürgermeister Benedikt Ruhmöller in Sachen Rathausfrage. Trotzdem: Ohne Emotionen ging es beim CDU-Stadtverband nicht. Obwohl so manches CDU-Mitglied offenbar innerlich kochte und sowohl Befürworter als auch Gegner eines Rathaus-Umzugs immer wieder durch murrendes Gemurmel auf sich aufmerksam machten, verlief die Diskussion zu diesem Thema erstaunlich sachlich. „Ich glaube, Sie haben bewiesen, dass Sie politisch streiten können, ohne die Basis zu verlieren“, lobte CDU-Kreisgeschäftsführer Martin Arnst.
Flammende Plädoyers für den Erhalt des aktuellen Verwaltungsstandorts hielten vor allem die älteren Mitglieder, die den Bau damals selbst politisch auf den Weg gebracht oder zumindest verfolgt haben. Neben Altbürgermeister Herbert Faust meldete sich unter anderem Hans Schoppmeyer zu Wort, der Ruhmöller vorwarf, das jetzige Rathaus bewusst als Ruine hinterlassen zu wollen, während Franz-Josef Höppner an die Winterberg-Diskussion erinnerte: „Da spielen einfach Emotionen mit. Die kann man nicht einfach so wegwischen.“
Für Bürgermeister Benedikt Ruhmöller, der eingangs noch einmal die Option des Umzugs favorisierte, läuft bei der Diskussion um den Verwaltungsstandort derzeit einiges schief: „Da wird von einer Architektin angeführt, dass die Kunststoff-Fenster der Arbeitsagentur in 20 Jahren ausgetauscht werden müssen. Dabei sind die Fenster dort aus Aluminium.“ Und auch in allen anderen Bereichen gehe er davon aus, das die Arbeitsagentur die wirtschaftlichste Lösung biete.
Berni Recker sprang ihm bei diesem Thema bei. Für ihn hätte der Umzug den charmanten Nebeneffekt, dass durch den von der Agentur geplanten Neubau eine der häufig kritisierten Brachen verschwinden könnte. Dass eine Nachnutzung für den Altstandort eine „Utopie“ sei, wie von Faust angeführt, glaubt er nicht. Ex-Kämmerer Klaus Muermans wollte bewusst von der emotionalen Seite wegkommen: „Verwaltung und Politik sind nie emotional.“
Hart ins Gericht ging Martin Hegselmann mit Architekt Christoph Parade. „Wie dieser Mann mit unserem Stadtbaurat Mentz umgegangen ist, war unverschämt.“ Außerdem seien die Gutachter bundesweit anerkannt. „Warum soll ich dem Mann mehr Glauben schenken, der uns diese Fehlkonstruktion angedreht hat?“
Dennoch: Bei der anschließenden Abstimmung setzten sich die Befürworter einer Sanierung des Paradebaus mit 60,52 Prozent durch.