Berger: Zusammenhalt in Ahlen stärken
Der Kandidat selbst hielt sich mit konkreten Prognosen zurück, trat aber durchaus selbstbewusst auf: „Frischen Wind im Rathaus wird es nur mit mir geben.“ Und dann stellte der 45-Jährige, der von Ehefrau Diana und den beiden Söhnen Leopold und Amadeus begleitet wurde, fest: „Ich bin echter Ahlener. Ich muss nicht erst nach Ahlen ziehen, wenn ich gewählt bin.“ Der einzige kleine Seitenhieb in Richtung seiner Mitbewerberin Ulla Woltering.
Er stehe für christlich-demokratische und freiheitliche Werte, so Berger, sei jedoch „kein Lagerkandidat“. Er wolle das Bürgermeisteramt unparteiisch und überparteilich ausüben im Interesse aller, die in Ahlen leben. Dass er keiner Partei angehöre, sei kein besonderes Verdienst, aber vielleicht eine besondere Chance, um in der Ahlener Politik Gräben zu überwinden und den Zusammenhalt in der Stadt zu stärken. Denn Zusammenhalt, das habe er von seinen Eltern gelernt, sei das Wichtigste.
Auf dieses Moment hob auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Ralf Kiowsky in seinem Grußwort ab. Die Gesellschaft sei im Umbruch. Traditionelle Bindungen und Milieus lösten sich in heutiger Zeit zunehmend auf, viele Vereine fänden zum Beispiel keine Vorstände oder Übungsleiter mehr. Deshalb brauche man an der Spitze der Verwaltung und des Rates jemanden, der die „Sprache der Menschen“ spreche und zusammenführen könne. „Mit Alexander Berger“, so Kiowsky, „haben wir einen Kandidaten gefunden, dem wir das zutrauen.“ Mit „wir“ meinte der Fraktionsvorsitzende „das wahre bürgerliche Lager im Rat der Stadt Ahlen“.
„Die Innovationsstadt im Grünen werden“
-Peter Harke- Ahlen - „Bier, Bratwurst und Blasmusik“ lautete das Motto. Das klang bodenständig. Typisch westfälisch. So sollte auch der Charakter der Veranstaltung sein, die als interner Grillabend der Ahlener CDU zum Ende der Sommerferien eine lange Tradition hat, diesmal aber als öffentliche Auftaktkundgebung für die „heiße“ Phase des Bürgermeisterwahlkampfs annonciert worden war und mit der FDP einen Co-Gastgeber hatte, der sich – so Partei- und Fraktionschef Eric Fellmann – „sehr geehrt“ fühlte. Zumindest der sorgfältig inszenierte Auftritt des Protagonisten Dr. Alexander Berger und seiner „reizenden Ehefrau Diana“ (Peter Lehmann) erinnerte aber auch ein wenig an die Nominierungsparteitage von Republikanern und Demokraten in den USA. Fehlte nur noch der Konfettiregen.
Die „Happy Trumpets“ spielten das „Steigerlied“ – was nun wiederum typisch Ahlen war – , während das Ehepaar Berger – er im anthrazitfarbenen Anzug mit offenem Hemdkragen, sie im knallroten Kleid, beide mit strahlendem Lächeln – im Biergarten am Vorwärts-Clubheim Einzug hielt, gefolgt von zwei Dutzend Parteifunktionären und Wahlkampfhelfern in einheitlichen blau-gelben Polo-Shirts mit dem Wahlkampfmotto „Ahlen zuerst“ auf dem Herzen und dem Namen des Hoffnungsträgers auf dem Rücken. Da erhoben sich sogar die Herren am CDU-Seniorentisch um Alt-Bürgermeister Herbert Faust von ihren Stühlen, um Spalier zu stehen und rhythmisch in die Hände zu klatschen.
Selbige waren den Teilnehmern des Aufmarschs zunächst noch buchstäblich gebunden – an Luftballons, die sie erst ganz zum Schluss von Bergers Ansprache auf ein Zeichen von Zeremonienmeister Ralf Marciniak in den Himmel über dem Lindensportplatz aufsteigen lassen sollten. Gelbe Ballons, blauer Himmel, das milde Licht der langsam untergehenden Abendsonne – genau so hatte sich die Regie das wohl ausgemalt. Perfekt.
An den Luftballons befestigt waren Flyer mit der Internetadresse www.zwanzigzwanzig.info . Dahinter verbirgt sich Bergers „Aktionsplan Ahlen 2020“, dessen Grundzüge er in seiner Rede ausführlich darlegte. Da formuliert Berger etwa unter der Überschrift „Ein Ahlen für alle“ als Ziele, die „bunte kulturelle Vielfalt“ in der Wersestadt zu erhalten, das Vereinswesen und das Ehrenamt zu fördern sowie die Querschnittsthemen Integration und Inklusion als Gesamtprozess aus einer Hand zu steuern. Die Bürger, so der Kandidat, wolle er zum Beispiel bei Bebauungsplanvorhaben frühzeitiger und intensiver beteiligen. Auch ein „Rathausforum“ könnte ein Instrument für mehr direkte Demokratie sein.
Um die städtischen Finanzen zu ordnen, bedarf es aus Bergers Sicht einer „intelligenten Haushaltskonsolidierung mit Augenmaß“. Dazu gehöre auch eine weitere Verschlankung der Verwaltung. Die Attraktivität Ahlens für Familien und Investoren müsse gesteigert werden. Berger: „Die Stadt soll Gründer und Menschen mit Ideen anziehen.“ So könnte sich die einstige „Industriestadt im Grünen“ zur „Innovationsstadt im Grünen“, womöglich auch als Fachhochschulstandort, weiterentwickeln. In diesem Kontext müssten endlich auch die Industriebrachen wie Hundhausen und Nahrath beseitigt werden.
Um die Herausforderungen entschlossen anzugehen, wolle er als Bürgermeister den „überparteilichen Konsens“ suchen, bekräftigte Berger seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit allen politischen Kräften. Doch zunächst, daran ließ der Kandidat auch keinen Zweifel, will er in den verbleibenden gut fünf Wochen bis zur Wahl um jede Stimme kämpfen, unterstützt von CDU und FDP, aber ohne Parteibrille. Er bewerbe sich „als ein normaler Bürger“, sagt Berger. Und setzt dabei auf Sieg: „Wir gewinnen direkt am 13. September!“